Der Delmenhorster Spielmanns- und Fanfarenzug 1983 e.V.
Ein vereinsgeschichtlicher Abriss von Günter Heidemann

Am 19. Juni 1983 trafen sich die Gründungsmitglieder des Vereins, um über einen vor­liegenden Satzungs­ent­wurf zu befinden: Der Delmenhorster Spielmanns- und Fanfarenzug wurde nach sechsstündiger Satzungsdebatte gegründet. Die Grün­dungs­­mitglieder Sigrid Behrens, Gisela Harms, Carsten Hallmann, Günter Heide­mann, Wolfgang Kuchenbuch, Joachim Mathieu, Harald Meinke, Arnd Plate, Bernd Schütte, Hans Spalke und Andreas Warneke wählten den Gründungsvorstand und ernann­ten Carsten Hallmann und Günter Heidemann zu Stabführern. Die Grün­dungs­satzung besagte, dass die Stabführer gemeinsam die gesetzliche Vertretung des Vereins wahrnehmen. Ergänzt wurde der Gründungsvorstand durch die Kassenwartin Sigrid Hallmann, den Schriftführer Wolfgang Kuchenbuch und den Pressewart Joachim Mathieu. Vorgesehen wurde, dass der noch junge Verein sich etablieren solle und dann von einer Mitgliederversammlung die Eintragung ins Ver­einsregister beschlossen werden solle. Zu dieser Neugründung gab es selbstverständlich eine Vorgeschichte, denn neun von den elf Gründungsmitgliedern hatten schon in einem anderen Delmenhorster Musikverein musikalische Erfahrungen gesammelt.

Der neue Verein kam schnell voran, bereits nach den Sommerferien 1983 wurde der Übungsbetrieb in der Grundschule Annenheide aufgenommen. Das größte Problem war die Beschaffung und Finanzierung von Instrumenten, jedoch hatte der Verein einen gewaltigen Mitgliederzulauf, bereits zur Mitgliederversammlung im September 1983 wurde der Eintrag ins Vereinsregister und die zukünftige und bis heute aktuelle Uniform des Klangkörpers beschlossen. Am 30.9.1983 nahm der Verein die fortdauernde Jugendarbeit auf, von den damals eingetretenen Kindern sind einige noch heute aktiv dabei.



Der erste richtige Auftritt des Vereins erfolgte zum Karnevalsumzug 1984 in Ganderkesee. Der Tambourmajor musste noch mittrommeln, und der Spielmanns­zug war eigentlich noch nicht spielfähig. Trotzdem haben die 31 Aktiven sich wacker geschlagen und den gesamten Umzug ohne Pause durchgespielt. Dieses “Marken­zeichen” des DSF ist bis heute unverändert, es wird vom Beginn bis zum Ende eines Festumzuges pausenlos gespielt. Während der Mitgliederversammlung 1984 erklärte unser Gründungsstabführer seinen Rücktritt, es wurde als Stabführer Fanfarenzug Artur Schütte gewählt.

Beim Kramermarktsumzug 1984 in Delmenhorst stellte der Verein erstmals seine Uniform der Öffentlichkeit vor, danach folgte Auftritt auf Auftritt in und um Delmenhorst und auch weiter weg. Am 26.8.1984 begleiteten die Spielleute den Fest­umzug der benachbarten SBSD-Schützen, dies war das erste Schützenfest, an dem sich der Verein beteiligte. Viele weitere sollten folgen, heute stehen ca. zehn feste Schützenfest Termine auf dem Spielplan. Im September 1984 beteiligte sich der Verein erstmals am Oldenburger Kramermarktsumzug, im Oktober 1984 am Bremer Freimarktsumzug. Damit hatte der neu gegründete Verein in der ganzen Umgebung seine Visitenkarten abgegeben und wurde schnell bekannt.
 

 

In dieser Zeit führte der Verein ein Fingerzeigsystem ein, mit dem noch heute unterwegs die zu spielenden Märsche angezeigt werden. Außerdem wurde damals die so genannte “Blaskapelle” eingeführt, damit der Klangkörper bei der Kranzniederlegung am Denkmal oder beim Vorbeimarsch des Schützenkönigs auch die richtige Musik draufhat.

Bereits damals wurden die jährlichen Zeltlager eingeführt, zuerst als Pfingstzeltlager, dann als Vereinsausflug, danach als zehntägige Jugendbetreuungsmaßnahme in den Sommerferien. Daneben gibt es seitdem ein reges geselliges Vereinsleben mit Kohlfahrt, Vatertagsradtour, Grillabend, Jugendbetreuung, Vereins­ausflug und Weihnachtsfeier. Außerdem besuchen seit 1984 immer wieder einzelne Mitglieder diverse Lehrgänge des Niedersächsischen Turnerbundes, der Bundesmusikschule in Bad Ganders­heim, die Tambourmajor-Lehrgänge in Wildeshausen sowie Lehrgänge zum Jugend­gruppen­leiter, andere Workshops und Fortbildungsveranstaltungen.
 

Am 27.2.1985, anderthalb Jahre nach der Gründung, konnte der damalige Vorstand der örtlichen Presse mitteilen, dass alle geplanten Ziele erreicht seien: Der Klang­körper bestand aus über 60 aktiven Spielleuten in zwei Zügen, der Verein hatte die 100-Mitglieder-Grenze in Sicht, die Finanzierung war gesichert.

Im November 1985 betrat der Verein Neuland, indem er eine Mädchen Tanzgruppe unterstützte und diese Gruppe später in den Verein integrierte. Dieser erste missglückte Versuch sollte sich später wiederholen, seit 1994 existiert die Tanz­gruppe des DSF, heute in Cheerleadermanier mit Poms dem Klangkörper vor­aus. Daneben existiert seitdem eine Elterngruppe als Betreuergruppe mit Sanitätern, Kinder­betreuern und Instrumentenwarten, die dem Klangkörper folgt. Während der Mitgliederversammlung 1986 wurde die Satzung des Vereins neu gefasst, der Verein wurde Sportverein, Mitglied im Niedersächsischen Turnerbund und im Landessportbund Niedersachsen.

Außerdem wurde die gesetzliche Vertretung durch die Stabführer abgeschafft, statt dessen wurde ein Vorsitzender eingeführt. Ihm zur Seite stehen seitdem der stell­ver­tre­tende Vorsitzende und der Kassenwart. Diese Ämter wurden von 1986 bis 1999 von Günter Heidemann, Friedhelm Nowak und Winfried Biskup ausgeübt. Zum Vorstand gehören daneben noch der öfters wechselnde Schriftführer und der Pressewart, von 1986 bis 1999 von Ingrid Nowak ausgeübt. Seit 1999 wurde der Vorstand erheblich verjüngt, heute steht Klaus Michael Sindermann mit seinem Team dem Verein vor.

Die Entwicklung des Verein ging in stetigen Schritten voran, er beteiligte sich an vielen Veranstaltungen, auch an Musikfesten benachbarter Musikvereine. 1986 in Stuhr konnten die beiden Züge sich mit fast 80 Aktiven beteiligen, der Einmarsch erfolgte 4-reihig von zwei Seiten. Erstmals wurde der Fehrbelliner Reitermarsch vor großem Publikum vorgetragen, dieser Marsch ist seitdem aus dem Repertoire des Klangkörpers nicht mehr wegzudenken. In den folgenden Jahren beruhigte sich die Entwicklung etwas, die Mitgliederzahl pendelte sich bei 100-150 ein, die Altersstruktur des Vereins wies eine starke Jugendlichkeit aus, die Hälfte der Mitglieder war 1987 unter 14 Jahre alt.

Im November 1987 wagte der Verein ein neues Experiment: Es wurde eine Vereinszeitung eingeführt. In der Anfangszeit bestand dieses Informationsmittel des Vor­stands aus zusammenkopierten Berichten, Zeitungsausschnitten, Vereins­mit­teilungen und Fotos. Später konnten einige Jugendliche gewonnen werden, diese Zeitung auf dem PC zu erstellen, heute erscheint die Vereinszeitung “NA LOGO” vierteljährlich und wird von den Mitgliedern recht gut angenommen.

 

Mit dem Fall der Mauer wurde ein weiteres Ziel des damaligen Vorsitzenden mög­lich: Die Kontaktaufnahme mit einem Spielmannszug der damaligen DDR. Bereits im Novem­ber 1989 beschloss der Vorstand die Kontaktaufnahme, und über den Stadtsportbund und den damaligen OB Jürgen Thölke konnte der Kontakt mit dem Eberswalder Spielmannszug hergestellt werden. Im April 1990 war der Zug zu Gast beim DSF, es folgten viele weitere gegenseitige Besuche, noch heute trifft man sich im Zwei-Jahres-Rhythmus, und viele private Kontakte sind entstanden. Im August 1993 beging der Delmenhorster Spielmanns- und Fanfarenzug sein zehnjähriges Jubiläum. Zum sonntäglichen “musikalischen Nachmittag” auf der Delmenhorster Burginsel waren neben den Eberswalder Gästen und den Delmenhorster Gastgebern zehn befreundete Vereine angetreten. Diese für Delmenhorst ungewöhnliche Veranstaltung fand recht guten Anklang, und die Stadt Delmenhorst entdeckte die Burginsel als musikalischen Veranstaltungsort neu.

Mit der Anschaffung unserer Vereinsstandarte 1995 endete die Gründungs- und Aufbauphase. In den folgenden Jahren pendelte sich die Aktivenzahl bei 40 - 50 ein. Der Verein konnte ein Auftrittsvolumen von ca. 50 Auftritten jährlich absolvieren, angefan­gen beim Karneval in Ganderkesee, Wesseling bei Köln und Warendorf/Münster über die Kramermärkte in Delmenhorst, Schützenfeste im Großraum Oldenburg/Bremen, Siedler-, Kleingärtner- und Laternenfeste, Geburtstags-, Jubiläums- und Hochzeits­ständ­chen, Musikfeste in ganz Niedersachsen und ande­ren Veranstaltungen, und wenn diese Entwicklung sich so fortsetzt, werden wir hoffentlich auch in Zukunft mit unseren Aktivitäten so fortfahren können.